Einsatzstellen des FÖJ-Jahrgangs 18/19

„Wie können wir das FÖJ noch bekannter machen?“

Auch in diesem Jahr hat sich die Gruppe der Sprecher und Sprecherinnen, der FÖJ Gruppen aus Niedersachsen, diese Frage gestellt.

Wir haben beschlossen, das vorzustellen mit dem wir uns Woche für Woche beschäftigen, das Umfeld, in dem wir unsere FÖJ-Erfahrungen sammeln: unsere Einsatzstellen.

Im Laufe unseres Jahres wollen wir versuchen so viele Plätze wie möglich hier (und auf der foej.niedersachsen Instagram-Seite) vorzustellen.

Den Laubfrosch als Nachbarn

Moin! Mein Name ist Gesche und ich komme eigentlich aus einem schnuckeligen Örtchen in der Nähe der Ostsee, aber für ein Jahr hat es mich, weil ich mich vom Meer nicht trennen konnte, ans Steinhuder Meer in die Nähe von Hannover verschlagen. In der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer mache ich seit einem halben Jahr ein FÖJ. Mit drei anderen Freiwilligen bewohne ich ein altes Bauernhaus mit riesigem Garten direkt neben dem Naturschutzgebiet  „Meerbruchswiesen“. Hier wird man im Winter vom Geschnatter der Gänse und im Sommer von Laubfroschquaken geweckt, man holt die Milch frisch vom Bauern um die Ecke und kann direkt zuschauen, wie die Kühe gemolken werden, und geht abends noch raus um Fledermäuse zu beobachten oder den Waldkauz auf der Suche nach einem Weibchen rufen zu hören. Alles in allem- sehr idyllisch.

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Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der von ehrenamtlichen Mitgliedern getragen wird und die Naturschutzarbeit rund um das Steinhuder Meer koordiniert. Für die wissenschaftliche Arbeit haben wir sechs Mitarbeiter, die zum Beispiel verschiedene Wiederansiedelungs- und Artenschutzprojekte durchführen, Monitoring in den NSG machen oder für die Wiedervernässung im Moor sorgen und dort Dämme bauen und Gräben zuschütten.

Ich würde ja vom Alltag in der Station schreiben, aber so etwas gibt es nicht- jeder Tag ist anders. Ein paar Dinge, wie E-Mails bearbeiten oder unsere hofeigenen Hühner und Schildkröten füttern, fallen jeden Tag an. Ansonsten gehen wir mit den Jahreszeiten. Im Winter verbringen wir manche Tage komplett im Moor oder im Meerbruch und fällen Bäume oder entkusseln, das bedeutet, dass Birken und Kiefern, die dem Moor das Wasser entziehen und so seine Renaturierung schwer machen, entfernt werden. Wir sind natürlich nicht nur im Moor unterwegs. Manchmal bleiben wir auch den ganzen Tag in der Station und werkeln im Garten, entrümpeln, erledigen Dinge, die man im bundeswehreinsatzSommer nicht schafft und arbeiten an unseren FÖJ-Projekten. Unsere alte Ausstellung wurde im Herbst neu gemacht und ich designe, schreibe und mache Fotos für ein kleines Heft, das Kindern die Themen der Ausstellung auf eine nette Art und Weise näher bringen soll:)

Im Sommer betreuen wir Freiwilligen am Wochenende die Ausstellung und beantworten die Fragen sämtlicher Besucher nach bestem Wissen… Dann startet auch die Saison der Führungen und Exkursionen. Zu der ÖSSM gehört auch das RUZ (Regionales Umweltzentrum), welches Programme für Kindergruppen, hauptsächlich Schulklassen anbietet. Einige Führungen werde ich wahrscheinlich auch übernehmen und den Kindern die Problematiken des Torfabbaus näher bringen oder mit ihnen Keschern gehen.

Das beste Wort mit dem man diese Einsatzstelle beschreiben kann ist „Vielfalt“. Wer hier sein FÖJ macht, kann unglaublich viel mitnehmen und erleben. Sei es Laubfröschen beim Sonnen zu zuschauen, durchs Naturschutzgebiet zu streifen und Wasserstände zu messen oder Moorenten auszuwildern.

EST: NABU – Woldenhof (Landschaftspflege und Naturerlebnis Ostfriesland gGmbH)

Ich bin Jana Wendelken, 18 Jahre alt und komme aus Sinsheim im nördlichen Baden-Württemberg. Meine Einsatzstelle im FÖJ ist der NABU-Woldenhof in Wiegboldsbur, zu finden etwa an der B210 zwischen Emden und Aurich in Ostfriesland.

Der Woldenhof als denkmalgeschützter Gulfhof ist ein Schulbauernhof und zugleich ein Landschaftspflegebetrieb, der vom NABU unterhalten wird. Als Landschaftspflegebetrieb kümmern wir uns um insgesamt 264 Hektar an Flächen. Das sind hauptsächlich Moorflächen und Feuchtwiesen, die im Frühjahr, Sommer und Herbst mit unseren Schafen und Rindern beweidet werden, um die Biodiversität zu erhalten und zu fördern.

Wir insgesamt acht Freiwillige sind auf die Landwirtschaft (mit fünf Freiwilligen) und den Schulbauernhof (mit drei Freiwilligen) aufgeteilt. Hierzu zählen jeweils eine FÖJ-Stelle, im Schulbauernhof zwei und in der Landwirtschaft drei BFD-Stellen und zusätzlich ein Langzeitpraktikant in der Landwirtschaft. Weiterhin werden wir immer wieder von Praktikanten und Ehrenamtlichen unterstützt. Wir Freiwilligen wohnen in einer angemieteten WG zu siebt direkt neben dem Hof, was den schön späten Arbeitsbeginn um 09.00 Uhr noch mal versüßt. Essen wird vom Hof nicht gestellt, was ich persönlich aber insofern gutheiße, als dass man lernt, mit Essen und Geld zu haushalten. Das stellt eine optimale Vorbereitung aufs spätere Leben dar.

Der Hof und die Menschen, die dort arbeiten, sind mir in den knapp sechs Monaten, die ich schon hier bin, schon sehr ans Herz gewachsen. Das Betriebsklima kann ich als sehr gut beschreiben: es wird viel Wert auf gute Kommunikation untereinander gelegt und der Umgangston bleibt stets freundschaftlich und wertschätzend. Mit Roland Morfeld, dem Geschäftsführer des Schulbauernhofes, und Uwe Betten, dem Geschäftsführer der Landwirtschaft, kann man es mit Vorgesetzten nicht besser treffen! Aber erst alle anderen Mitarbeiter machen dem Hof zu dem, was er wirklich ist.

Auf unserem Hof leben viele Tiere: viele Bienen, zwei Schweine, zwei Katzen, drei Gänse, sechs Ziegen, sechs Kaninchen, elf Rinder, elf Hühner, 14 Legehennen und, nicht zu vergessen, viele, viele Schafe! Mit einer Herde von derzeit etwa 45 Muttertieren, zwei Böcken und bisher sechs Lämmern (es werden noch um die 40 Stück erwartet) zählt diese Tierart zu den wichtigsten und fast beliebtesten Arten auf dem Hof. Als Mitglied der GEH (Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen) und ausgezeichneter Arche-Hof sind wir dazu angehalten, mindestens drei gefährdete, bedrohte oder vom Aussterben bedrohte Haus- und Nutztierrassen zu halten und zu züchten. Ostfriesische Silbermövchen, Bunte Bentheimer Landschweine, Meißner Widder, Weiße Gehörnte Heidschnucken, Deutsche Schwarzbunte Niederungsrinder; all diese Tiere stehen auf der Roten Liste der bedrohten Nutztierrassen Deutschlands, die von der GEH herausgegeben wurde, und allesamt sind sie auf dem Woldenhof heimisch. Das Wohl der Tiere steht bei uns allen an oberster Stelle! Das ist mit ein Grund, weshalb wir ein EU-Bio-zertifizierter Hof sind.

Meine Tätigkeiten in der Einsatzstelle sind sehr vielseitig und trotz der großen Zahl an Freiwilligen, von den Chefs liebevoll „Freewillies“ genannt, gibt es immer genug zu tun. Als Freiwillige im Schulbauernhof liegen meine Aufgaben im Bereich der Umweltbildung: Der Hof empfängt wöchentlich neue Schulklassen, die drei bis fünf Tage eine Klassenfahrt hierher machen, um mehr über die Tiere, unsere vielfältige Umgebung oder beispielsweise den Garten zu erfahren. Von den vielen verschiedenen Umweltbildungsprogrammen hat jeder von uns drei Freiwilligen Programme, die hauptsächlich er durchführt. Ich bin für das Moorprogramm und das Wiesenprogramm verantwortlich, meine Mit-Freiwilligen beispielsweise für das Garten-, Apfel-, oder das Wildgänseprogramm. Gemeinsam, damit man sich abwechseln kann, führen wir Tierprogramme, GPS-Rallyes, Wollprogramme, Kochprogramme, Basteleien, Lagerfeuer, Fledermauswanderungen usw. durch.

Als Mitglied des Netzwerkes „Transparenz schaffen – von der Ladentheke bis zum Erzeuger“ sind fast alle Programme darauf ausgelegt, den besuchenden Klassen die Landwirtschaft und deren Prozesse (zur Erzeugung von Nahrungsmitteln) näherzubringen.

Damit die Fülle an Ideen, die jeder von uns im Kopf hat, nicht zu kurz kommt, finden mehrfach im Jahr Ferienfreizeiten statt, die von uns Freiwilligen geplant und als Betreuer durchgeführt werden.

Neben Klassenfahrten zum Woldenhof und Ferienfreizeiten bieten wir den Hof auch als Seminar- oder Tagungshaus an, wo die Belegung optional Umweltbildungsprogramme dazubuchen kann. Auch die Durchführung von Programmen für Tagesgruppen oder Kindergeburtstage liegen in unserem Aufgabenbereich. Selbstverständlich erhalten wir bei allen Tätigkeiten oder Fragen Unterstützung von den Mitarbeitern, sodass ich mich bisher immer wohl und aufgehoben gefühlt habe.

Den größten Teil der Zeit arbeiten wir mit Kindern: eine zeitweise stressige Arbeit, die jedoch mit strahlenden Gesichtern und positivem Feedback am Ende der Klassenfahrten belohnt wird.

Klassenfahrten finden hauptsächlich von Februar bis November und Belegungen ganzjährlich statt, weshalb immer viel zu tun ist. In den drei Wintermonaten ohne Klassenbelegungen bleibt jedoch genug Zeit, sich in der Landwirtschaft auszuprobieren. Der Winter steht für eine sehr gemütliche Zeit auf dem Hof: die Schafe und Rinder sind aufgestallt, ab Februar kommen die ersten Lämmer und an besonders schönen Wintertagen versprühen alle beste Laune. Die landwirtschaftlichen Arbeiten sind stark von den Jahreszeiten abhängig: im Winter gibt es viel am Hof mit den Schafen und Rindern zu tun und die von Winterstürmen umgeknickten Bäume warten darauf, zersägt zu werden. Auch das Anstauen der Flächen für die bedrohten Feuchtwiesenbrüter Uferschnepfe, Kiebitz und Co. (etwa im angrenzenden Vogelschutzgebiet Ostfriesische Meere) stellt eine besondere Aufgabe der Freiwilligen im Winter dar. Die ersten Vorbereitungen für die kommende Saison werden getroffen (Mulchen und Freischneiden der Flächen) und man kann erahnen, wie viel Arbeit im Sommer auf alle zukommen wird: die Pflege der hofnahen Beweidungsflächen, die Unterhaltung der vier Beweidungsprojekte Ulsmeer, Hessepark Weener, Thedingaer Vorwerk und Coldam, bei denen die vielen  Heckrinder, eine Auerochsen-Rückzüchtung, und die wilden bis halbwilden Konikpferde insgesamt über 120 Hektar an Fläche beweiden, die tägliche Kontrolle der Heidschnuckenherden und Niederungsrinder und viele, viele weitere Naturschutzarbeiten am Hof und um den Hof herum. Mich reizt ebenfalls diese Fülle an verschiedenen Arbeiten im Naturschutzbereich, weshalb ich Gefallen an der Arbeit „draußen in der Natur“ gefunden habe.

Alle Arbeiten finden mit dem Ziel statt, die Natur um uns und die Welt ein wenig besser zu hinterlassen.

Und ja, man arbeitet viel. Sehr viel. Auch an jedem Wochenende, an Weihnachten oder Ostern wollen Tiere versorgt werden und Belegungen, Tagesgruppen oder Kindergeburtstage möchten unterhalten werden, was eine Menge Überstunden mit sich bringt. Diese dürfen und sollen selbstverständlich zeitnah als Freizeitausgleich abgefeiert werden.

Dennoch bereitet mir die Arbeit am Hof jeden Tag aufs Neue sehr viel Spaß, man lernt täglich unglaublich viel dazu, und ich bin fast schon traurig, dass die nächsten sechs Monate so schnell vergehen werden und dass das Ende meines FÖJs schon bald in Sicht ist.

Ich hoffe, dass mein Einsatzstellenbericht das Interesse zukünftiger Freiwilligen wecken konnte und ich wünsche nachfolgenden Generationen ebenso viel Spaß und ebenso viele Erfahrungen, wie ich sie erleben durfte und darf! 🙂

Kathi rettet die Moore

Hallöchen! 🙂
Ich bin Katharina und arbeite im MOORiZ, dem Moor Informations Zentrum. Meine Einsatzstelle liegt in Resse, ein kleiner schnuckeliger Ort mitten im Nirgendwo… außerhalb von Hannover halt!

Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der Renaturierung der Moore, denn viele sind durch intensiven Torf Abbau und Ackerbau/ Viehzucht in Mitleidenschaft gezogen worden bzw. werden es immer noch. Mein Arbeits-Alltag ist recht vielfältig, manchmal bin ich den ganzen Tag im Moor unterwegs, an anderen Tagen klebe ich vor dem Laptop, um Bürokram zu erledigen.

kathi

An Zwei Tagen in der Woche leite ich den Deutsch Unterricht für Flüchtlinge mit und helfe auch bei verschiedenen Behördengängen etc..

Somit ist meine Einsatzstelle bunt gemischt und netterweise gibt es so gut wie immer Kuchen.

GK

Kathi und der Moorfrosch