Treffen mit dem Umweltminister

Im Rahmen der Einweihung eines neuen Seminargebäudes haben sich vergangenen Mittwoch (5. Juli 2023) die Landessprecher*innen des FÖJ in Niedersachsen Florian Krimmer, Sophie Kühn und Leander Stuck sowie der Beirat Matthias Baur mit dem niedersächsischen Umweltminister Christian Meyer (Bündnis 90/ Die Grünen) in Schneverdingen getroffen, wo die Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (NNA) ihren Hauptsitz hat. Teilnehmende einer Seminargruppe, die in dem Haus erstmals ein Seminar abhielten, hatten ebenfalls die Möglichkeit Fragen zu stellen und mitzudiskutieren.

Nach feierlicher Schlüsselübergabe und Sektempfang begann das Gespräch, welches unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, mit der Vorstellung einiger FÖJ-Einsatzstellen. Im Laufe des darauffolgenden Gesprächs stand die dramatische finanzielle Situation des Freiwilligen Ökologischen Jahres in Niedersachsen im Zentrum. So wurden unter anderem das im Koalitionsvertrag angekündigte 29-Euro-Ticket für FÖJler*innen, die erneut ausgesetzte Taschengelderhöhung für das kommende Jahr sowie die daraus resultierenden Hürden für weniger privilegierte Menschen angesprochen, die dadurch gar nicht erst die Chance dazu haben, ein FÖJ anzutreten („FÖJ für Alle“). Zudem wurde die fehlende Anerkennung für das FÖJ kritisiert, Informations- und Aufklärungsveranstaltungen zu dem Thema in Schulen gefordert sowie auf die relevante Wirkung der Freiwilligendienste auf den gesamtgesellschaftlicher Zusammenhalt hingewiesen.

Der Minister zeigte sich angesichts des niedrigen Taschengeldes in Niedersachsen, das bundesweit ein Schlusslicht darstellt, bestürzt und versprach, in den Haushaltsverhandlungen der Landesregierung für das nächste Jahr mehr Gelder für das FÖJ in Niedersachsen zur Verfügung stellen und die „Ausbeutung“ beenden zu wollen. Dies sei bei ihm nach dem Gespräch in der Priorität „ganz oben“ angesetzt.

Mit Blick auf die Kostenreduzierung des Deutschlandtickets für Freiwilligendienstleistende, welche im Koalitionsvertrag der niedersächsischen Landesregierung steht, äußerte sich Meyer dahingehend, dass der niedersächsische Staatshaushalt schon jetzt weitestgehend ausgereizt sei. Die Landessprecher*innen verwiesen in diesem Zuge auf die vergleichsweise geringe Summe im Vergleich zu den milliardenschweren Gesamtausgaben.

Am Ende des Treffens vereinbarte Umweltminister Meyer mit den Landessprecher*innen wegen ihrer begrenzten Möglichkeiten des Kontakts zur Politik, dass ab sofort ein jährliches Treffen mit dem jeweilig amtierenden Umweltminister angesetzt wird.

Die Landessprecher des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) in Niedersachsen Florian Krimmer, Sophie Kühn und Leander Stuck haben gemeinsam mit dem FÖJ-Beirat Matthias Baur den niedersächsischen Umweltminister Christian Meyer (Bündnis 90/Grüne) getroffen und über die finanzielle Situation im FÖJ diskutiert.

(v. l. n. r. Matthias Baur, Sophie Kühn, Christian Meyer, Florian Krimmer, Leander Stuck)

Brief an den Bundespräsidenten

Sehr geehrter Herr Bundespräsident,

zu unserem Bedauern mussten wir feststellen, dass der Versuch mit Ihnen in die Debatte über eine soziale Pflichtzeit zu treten, obwohl diese von Ihnen selbst angestoßenen wurde, erfolglos war. Aus diesem Grund wenden wir uns nun in dieser Form erneut an Sie, in der Hoffnung, diesem für den gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalt so wichtigen Thema mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und einem Mindestmaß an Veränderungswillen zu begegnen.

Im vergangenen Jahr haben Sie das Thema einer sozialen Pflichtzeit in den öffentlichen Diskurs getragen und im gleichen Zuge Ihre Bereitschaft dazu signalisiert, auch „andere überzeugende Konzepte“ als die jener Pflichtzeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren zu diskutieren.

Die Landesdelegation des Freiwilligen Ökologischen Jahres in Niedersachsen nimmt Ihr Angebot auf diesem Wege erneut an, da diese bedeutsame Debatte, wenngleich Sie genau dies angemahnt hatten, gerade jetzt im Nichts zu enden droht. Daran sind wir als junge Menschen – hoffentlich ebenso wie Sie – nicht interessiert.

In der Bundesrepublik Deutschland absolvieren jährlich rund einhunderttausend junge Erwachsene einen Freiwilligendienst. Dabei ist das Spektrum von sozialen, politischen oder kulturellen Bereichen über den freiwilligen Wehrdienst bis hin zu ökologisch orientierten Freiwilligendiensten divers aufgefächert. Jedoch stellt sich in Anbetracht dessen unweigerlich die Frage, weshalb sich nicht mehr Personen auf diese Art und Weise in den Dienst der Gesellschaft stellen und wie genau ein Zuwachs zu erreichen ist. Ihre Antwort darauf scheint zu sein, unter anderem die Jugend durch eine soziale Pflichtzeit dazu zu zwingen, den „Blick aus der eigenen Wirklichkeit“ herauszuwagen. Doch wir fragen Sie, wie ist dies mit der Liberalisierung des Lebens in der heutigen Zeit und mit der Belastung der Jugendgeneration durch die Pandemie vereinbar? Unserer Auffassung nach spiegelt Ihr Vorschlag nicht das Idealbild einer freiheitlich-demokratischen und progressiven Gesellschaft wider, sondern unterminiert fundamental den von Ihnen angesprochenen „Ehrgeiz der Jugend“, einen Freiwilligendienst zu absolvieren. Im Sommer letzten Jahres hieß es dazu von Ihrer Seite, der Vorschlag resultiere aus der Sorge, den gesellschaftlichen Zusammenhalt wiederherstellen und der Entfremdung entgegenwirken zu müssen.

Auch wir sehen diese besorgniserregende Entwicklung, jedoch bietet sich ein anderer, mit den grundlegenden Freiheitsrechten kompatiblerer Ansatz bedeutend besser an, diese Probleme auf der beschriebenen Ebene zu bekämpfen, da eine Lösung des Problems zum Greifen nahe ist: Um uns als junge Menschen dafür zu begeistern, sich nach der Schule einem Freiwilligendienst zu widmen, sind es die Rahmenbedingungen des derzeitigen Systems, welche substanziell reformiert werden müssen, um die Zahl der Freiwilligen zu erhöhen. Dadurch bestünde für alle die Möglichkeit, andere Lebensentwürfe außerhalb „der eigenen Blase“ kennenzulernen und so der gesellschaftlichen Teilung entgegenzuwirken. Unser Vorschlag, den strukturellen Rahmen des Freiwilligen Jahres grundlegend zu verbessern, würde zudem gesellschaftlich und nicht zuletzt bei den von einer möglichen Verpflichtung betroffenen Personen, auf breitere Akzeptanz stoßen und darüber hinaus zu einem nachhaltigen Anstieg der Freiwilligendienstleistenden führen.

Ferner suggerieren Sie, dass es an der Zahl der Personen mangele, die freiwillig „etwas tun für andere Menschen“ und schlagen daher das Instrument der Verpflichtung vor, um eine Zunahme gezwungenermaßen herbeizuführen. Gleichwohl warnt der Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbandes, Dr. Ulrich Schneider, ausdrücklich vor einem Zwang, da infolgedessen Personen rekrutiert würden, die „überhaupt keine Lust“ hätten oder „ungeeignet“ seien, was in sensiblen Bereichen wie der Pflege kranker Menschen schlicht nicht mit gutem Gewissen vereinbar ist. Ihre Grundannahme, es bestehe ein Mangel an potentiellen Freiwilligendienstleistenden, ist indes keineswegs zutreffend.

Die derzeitige Anzahl der Freiwilligendienstleistenden in der Bundesrepublik kommt nicht durch fehlendes gesellschaftliches Engagement in unserer Generation zustande. Vielmehr wird diese maßgeblich dadurch bedingt, dass marginalisierte Gruppen trotz des vorhandenen Interesses keinen sozialen Dienst antreten können, da diesem Personenkreis auf Grund seiner fehlenden privilegierten Stellung in der Gesellschaft die Chance dazu verwehrt wird. In Hinblick darauf lässt sich eine Vielzahl von Hürden anführen, die es uns als Freiwilligendienstleistenden erschweren, an einem Freiwilligen Jahr teilzuhaben. Zu nennen sind hierbei die durch den Föderalismus verstärkten, heterogenen Organisationsstrukturen, die mangelhafte und sich derzeit sogar verschlechternde finanzielle Grundsicherung der Freiwilligendienstleistenden, die durch die konsequente Ungleichbehandlung bedingte Benachteiligung im gesellschaftlichen Zusammenleben, sei es insbesondere im Bereich der Mobilität oder des kulturellen Lebens, und nicht zuletzt die mangelnde informative Aufklärung über Freiwilligendienste für Schülerinnen und Schüler.

Abschließend ist festzuhalten, dass bedeutend mehr Personen an einem Freiwilligendienst teilnehmen möchten, sei es, um sich persönlich weiterzuentwickeln, sich Berufs- und Studienorientierung zu widmen oder grundsätzlich in den interkulturellen Austausch mit Gleichaltrigen zu treten. Für jene besteht diese gewinnbringende Möglichkeit im aktuellen System nicht.

Eine soziale Pflichtzeit in Deutschland zu etablieren, wird dem Problem des abnehmenden gesellschaftlichen Zusammenhalts nicht gerecht, da es hierzulande nicht etwa an gemeinnützig engagierten und motivierten Menschen fehlt, sondern an einem sozial verträglichen, modernen und insbesondere attraktiven Rahmen für den Freiwilligendienst.

Wir würden uns freuen, wenn Sie nun ernsthaft an dem Diskurs um die Zukunft des Freiwilligendienstes teilnehmen würden.

 

Hochachtungsvoll

Florian Krimmer

Sprecher des Freiwilligen Ökologischen Jahres in Niedersachsen

 

Im Auftrag der Landesdelegation des FÖJ in Niedersachsen

 

Rückfragen und Presseanfragen bitte an:
niedersachsen@foej.net

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Moor als CO ² -Senke

Was ist das Moor überhaupt?
Das Moor ist ein seltener und einzigartiger Lebensraum. Hier herrscht ständiger  Wasserüberschuss, der Boden enthält kaum Nährstoffe und das dort wachsende Torfmoos macht ihn sauer.                                                                                                In dieser Form können Menschen Moore nicht nutzen und nur wenige
spezialisierte Tier- und Pflanzenarten können hier überleben. Dennoch sind Moore wichtig, allem voran für den Klimaschutz.
Moore bedecken gerade einmal 3 % der Landfläche der Erde, doch sie speichern fast ein Drittel des klimawirksamen Kohlenstoffs.                                                                 Wälder, die nahezu ein Drittel der Erde bedecken, speichern nur halb so viel.

Kohlenstoffspeicher Wald und Moor

Beim der Photosynthese nehmen Torfmoos genau wie Bäume Kohlenstoff auf und verarbeitet ihn zu Biomasse.                                                                                       Etwa die Hälfte davon wird durch pflanzliche Atmung wieder abgegeben.
Solange die Pflanzen leben, wird dieser Kohlenstoff gespeichert.
Stirbt ein Baum ab oder wirft im Herbst seine Blätter ab, oxidiert der darin gespeicherte
Kohlenstoff. Weniger als 5 % des ursprünglich aufgenommenen Kohlenstoffs werden
dauerhaft gespeichert, der Rest gelangt als CO 2 in die Atmosphäre.
Bei Torfmoosen stirbt der untere Teil ab, während das Moos nach oben wächst. Der
abgestorbene Teil wird durch lebendes Torfmoos und Wasser von der Luft getrennt, sodass er nicht mit Sauerstoff in Berührung kommt. Der gespeicherte Kohlenstoff bleibt im Boden.

Moore speichern also insgesamt 50 % des Kohlenstoffs, das sie aufnehmen. Das sind 140 bis 300 kg CO 2 -Äquivalente pro Hektar und Jahr.

Moornutzung

Dieser Kohlenstoff wird wieder freigesetzt, wenn ein Moor zerstört wird. Nur noch 5 % der deutschen Moore sind in einem naturnahen Zustand und 5 % der CO2-Emissionen Deutschlands sind auf ihre Zerstörung zurückführen.

Einige Moore werden trockengelegt und landwirtschaftlich genutzt. Da Moorböden nährstoffarm sind, ist die Landwirtschaft kaum ertragreich und nur durch Dünger und Subventionen wirtschaftlich. Die Moore sind dauerhaft zerstört.

Andere Moore werden zur Torfgewinnung genutzt. Dazu werden Moore entwässert und nach und nach abgeschürft. Unter bestimmten Bedingungen können diese Moore jedoch renaturiert werden.

Moorschutz

Das Bundesnaturschutzgesetz stellt Moore unter Naturschutz, sie dürfen also nicht geschädigt werden. Das gilt allerdings nicht für Moore, die schon vor Inkrafttreten des Gesetzes im Jahr genutzt wurden.

Viele Moore werden nach ihrer Nutzung renaturiert, also in einen naturnahen Zustand zu versetzet. Abtorfungsfirmen haben deshalb die Auflage, mindestens 70 cm des ursprünglichen Moorbodens stehen zu lassen. Laufen dann die Verträge für die Torfgewinnung aus, werden die Entwässerungsgräben geschlossen und heimische Pflanzen wie das Torfmoos angesiedelt.

Der Erfolg dieser Maßnahmen hängt jedoch stark vom Wetter ab: Ein Moor kann nur dann wiedervernässen, wenn es ausreichend regnet, und die Torfmoose, die zur Wiederansiedelung geeignet sind, ertragen keinen zu hohen oder zu niedrigen Wasserstand.

Wer sich für den Moorschutz einsetzen möchte, kann bei solchen Renaturierungsmaßnahmen helfen: Einige Umweltschutzorganisationen bieten die Möglichkeit an, bei der Entkusselung, also der Entfernung von Pflanzen, die dem Moor zu viel Wasser entziehen, zu helfen.

Eine andere Möglichkeit ist, auf Blumenerde mit Torf zu verzichten. 95 % des geförderten Torfes wird in Blumenerde verarbeitet. Torffreie Blumenerden sind oft gekennzeichnet und für private Gärten ausreichend. Alternativ könnt ihr z. B. Kompost verwenden, der wesentlich nährstoffreicher ist als Torf.

Das war der ELAT 2019 in Hamburg

Vorweg eine kurze Ansprache: Das FÖJ Hamburg hat sich seit kurzem dem Blog FÖJ Nordwest, vorerst nur durch mich, Carmen (Landessprecherin Hamburgs) angeschlossen. Ihr könnt euch also zukünftig auf Beiträge direkt von der Elbe freuen.

In Hamburg gab es einen einzigen gemeinsamen ELAT, da wir nur insgesamt 75 FÖJler*innen sind. Dafür war der ein voller Erfolg. Aber lest selbst:

Am 10. Mai kehrten wir Freitagabend bei zwei unserer Seminargruppensprecherinnen in der WG ein, um die ersten Aktionen des ELATs zu starten: Eine Bastelaktion für den nächsten Tag und die bundesweit einheitliche Quadratmeter-Aktion.

Wir quetschten uns mit dreizehn Personen in ein Schlafzimmer und machten es uns mit Kuchen und Musik bequem. Es dauerte noch eine Stunde, bis sich jeder einen Spruch zum Thema #WaldWirktWunder ausgesucht hatte. Mit Stiften und Farben malten wir dann allerdings eifrig los und gestalteten zehn sehenswerte Schilder für den nächsten Tag.

Für den Abend stand uns noch die Quadratmeter-Aktion bevor. Also machten wir uns auf den Weg in die Hamburger Innenstadt, bewaffnet mit Kreide, Demo-Plakaten und unseren Handys. Am Ende pflasterten 35 einzelne Quadratmeter aus Kreide gefüllt mit wissenwerten Fakten zum Nutzen der Bäume die Fußgängerzone. Schon während des Malens wurden nächtliche Passanten auf uns aufmerksam. Einige waren mit viel Passion dabei und malten gleich selbst Bäume auf den Boden. Andere führten im angetrunkenen Zustand tatsächlich interessante Gespräche über Nachhaltigkeit mit uns. Auch die Polizei auf Streife stattete uns einen Besuch ab, die wir zum Glück mit einer Erklärung unserer Aktion abwimmeln konnten. Im Anschluss an die Quadratmeter-Aktion plakatierten wir die Hamburger Innenstadt mitten in der Nacht für die Europa-Demo und einen FridaysForFuture-Streik.

Am nächsten Tag war es soweit für unsere dritte Aktion: Eine Silent Line, um auf die Zerstörung der Wälder aufmerksam zu machen. Wir trafen uns bei wunderbarem Wetter in der Fußgängerzone, wo man unsere Quadratmeter aus der vorherigen Nacht immer noch erkennen konnte. Ich hatte schwarzes Tape mit der Aufschrift „Extra Power“ gekauft und wir befürchteten, das Tape nie wieder von unserer Haut abziehen zu können. Nach einem mutigen Selbstversuch einer FÖJlerin, erkannten wir allerdings, dass das Tape nicht allzu stark haftete. Also klebten wir uns mit dem Tape unsere Münder zu, schnappten uns unsere gebastelten Schilder und stellten uns in einer Linie in die Menschenmengen.

Unsere Silent Line sollte folgendermaßen ablaufen: Zehn von uns standen mit abgeklebten Mündern in einer Linie und hielten Schilder mit Sprüchen, die auf den Verlust der Wälder hinwiesen. Während wir stumm demonstrierten, hatten wir eine Sprecherin, die bereitstand, um den Passanten zum Thema Auskunft geben zu können.

Insgesamt hatten wir das Gefühl, viele Menschen erreicht zu haben. Schnell begannen die ersten Passanten stehen zu bleiben, um unsere Schilder genauer zu betrachten. Manche liefen mit erhobenem Daumen vor uns entlang oder dankten uns für unsere Aktion. Einige Wenige nahmen uns aber leider nicht wirklich Ernst. Toll war es dann, wenn Kinder konzentriert von einem Schild zum nächsten wanderten und sich unsere Schilder konzentriert durchlasen. Unsere Sprecherin hatte im Gespräch mit Passanten ähnlich viel Erfolg; viele waren aufgeschlossen, manche hatten jedoch bereits die Hoffnung aufgegeben und meinten stur, wir könnten nichts mehr an der Situation der Erde ändern.

Letztendlich machten wir uns anderthalb Stunden für die Wälder dieser Welt stark, was sogar länger war als geplant! Wir hatten rote Streifen vom Tape im Gesicht und waren gebrutzelt von der Mittagssonne, aber wir konnten definitiv zufrieden mit unserer Leistung bei den Einheitlichen Landesaktionstagen sein.

Foodsharing

Wie kann es sein, dass auf der einen Seite Menschen im Überfluss an Nahrung leben und auf der anderen Seite Menschen an Hunger sterben?

Würde man alle Nahrung auf der Welt gerecht verteilen, so wäre genug für alle da und für jeden Menschen stünden täglich über 4000 kcal an Nahrung bereit. Jedoch entsorgt ein Teil der Menschheit noch genießbare Lebensmittel, während ein anderer nichts abbekommt. Laut dem WWF werden in Deutschland jährlich 18 Millionen Tonnen an Lebensmitteln weggeworfen. Das entspricht 313kg an Essen, dass pro Sekunde im Müll landet. Pro Kopf werfen wir Deutschen im Jahr 82 kg an Lebensmitteln weg. Durchschnittlich landen dadurch 235 Euro auf dem Müll.

Und genau dabei sehen wir nicht tatenlos zu, denn es muss sich etwas ändern!

Das Konzept Foodsharing setzt genau da an.

Foodsharing rettet Lebensmittel vor dem Entsorgen. Die Initiative kooperiert mit Läden, von denen sie Lebensmittelspenden bezieht. Es kommen viele Produkte, die das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben und nicht mehr im Handel verkauft werden dürfen, sowie Obst und Gemüse, das nicht der Norm entspricht und Brot vom Vortag. Es gibt mittlerweile ein riesiges Netzwerk von Spendern und Foodsavern. Die geretteten Lebensmittel können von Konsument*innen in sogenannten FairTeilern abgeholt werden. Viele Student*innen, Rentner*innen und Geringverdiener*innen nutzen das Konzept, um so an kostenloses, vollwertiges Essen zu kommen. Das Prinzip ist, nur Lebensmittel weiterzugeben, die man noch selber essen würde. Auf Vertrauensbasis läuft das gut.

Auch für die Lagerung gibt es genaue Vorgaben. Gerade bei Lebensmitteln ist Hygiene sehr wichtig, verderbliche Lebensmittel wie Eier, Geflügel, Fisch und Hackfleisch sind kein Teil von Foodsharing. Bei diesen Erzeugnissen ist beispielsweise die Gefahr von Salmonellen zu groß. Foodsharing ist also eine Maßnahme in dem jetzigen Konzept von Überangebot, Lebensmittel vor dem Müll zu bewahren.

So können wir jetzt sofort etwas gegen Lebensmittelverschwendung tun.

Aber es muss sich noch mehr ändern:

Wir unser Einkaufsverhalten und die Industrie das Angebot. Wir sollten nicht von Bäckereibetrieben erwarten auch gegen Feierabend noch ein volles Regal vorzufinden.  Wir sollten beginnen, umzudenken und feststellen, dass nicht nur das perfekt aussehende Gemüse und Obst aus dem Supermarkt essbar ist, sondern ein mehliger Apfel mit Dellen gut und natürlich ist.

Wenn wir unser Kaufverhalten ändern, dann wird sich auch das Angebot ändern, denn Angebot und Nachfrage bedingen sich gegenseitig.

Aber man darf den Verbraucher nicht als Sündenbock bei der Lebensmittelverschwendung ankreiden, viel mehr dirigiert die Industrie unser Kaufverhalten. Sie bietet dem Kunden ein Überangebot. Für uns ist es viel schwerer, uns gegen ein Produkt zu entscheiden, wenn wir es vor uns sehen. Es ist jedoch Zukunftsmusik, dass sich die Lebensmittellobby ändert. Aber auch kleine Veränderungen in unserem persönlichen Kaufverhalten machen schon einen Unterschied. Mit einem Einkaufszettel dabei kauft man auch nur die Produkte, die man wirklich braucht und wundert sich nicht vorm Kühlschrank, dass man auf einmal vier Käsepackungen hat! Außerdem ist ein Tipp, nur so viel zu kochen, wie man isst, die Reste kann man dann neu kombinieren, aufwärmen oder einfrieren.

Vielleicht wäre das auch gute Challenge für dich in diesem Jahr:

Vermeide Lebensmittelverschwendung, starte umzudenken und lerne Alternativen wie Foodsharing kennen.

(Wenn du mehr über das Thema erfahren möchtest dann schau dir einfach mal das Programm für den diesjährigen BAT in Berlin an. Dort werden wir mit Experten in Gesprächsrunden ein ganzes Wochenende lang genau das Thema bearbeiten. Oder falls du (noch) kein FÖJti bist komm‘ einfach zur Demo am Sonntag in Berlin.)

Wald Wirkt Wunder -und du auch!

Der ELAT steht kurz vor der Tür! Schon dieses Wochenende ist es wieder so weit: Überall in Deutschland findet der Einheitlichen Landes Aktions Tag statt. Dieses mal sogar mit einigem gemeinsamen „Flashmob“, bei dem wir zwar nicht tanzen werden aber versuchen werden in möglichst vielen Städten eine Wald-Installation aus Freiwilligen (also wenn möglich auch mit FSJ und BFD) und anderen jungen Umweltaktivisten #fridaysforfuture zu erschaffen. Mit dem Aktionstag #WaldWirktWunder wollen wir bundesweit kreativ auf die Bedeutung der Wälder und das Weltweite Waldsterben aufmerksam machen. Findest du einen unserer Quadratmeter dann benutze auch den Hashtag so können wir sehen wie gut unsere Aktion ankommt. Übrigens um zum ELAT in der Stadt in deiner Nähe zu kommen werden pro Seminargruppe sogar zwei Niedersachsen-Tickets rückerstattet!

Über die Links der Infogruppen von Osnarbrück, Hannover, Oldenburg und Göttingen kannst diesen ganz einfach beitreten und Teil der Aktion werden.

Osnarbrück: https://chat.whatsapp.com/EHxTKUwPPUt45LPwDDgxOT

Hannover: https://chat.whatsapp.com/IOHelsrTGsm2IOcazmlqcn

Oldenburg: https://chat.whatsapp.com/H6UowarW1cnLHUf5UEydxX

Göttingen: https://chat.whatsapp.com/KW5k5bfVAzV1ZqJvV0e7WY

Bis zum Wochenende!
Euer FÖJ-Niedersachsen
#waldwirktwunder #elat2019 #1qmfoej #foejinaction

Unser Weg zum Projekt

Während des freiwilligen ökologischen Jahres hat man die Möglichkeit ein eigenes Projekt durchzuführen. Die Bandbreite der Projekte reicht dabei von der Organisation eines Festivals bis hin zu dem Bau einer Kräuterschnecke.

Bei meiner Einsatzstelle dreht sich für uns FÖJlerinnen viel um Projektarbeit. Wir (Greta und ich) konnten daher mit viel Unterstützung rechnen. Als ich anfing, mir Gedanken zu machen, was ich denn eigentlich machen möchte, dachte ich direkt an nachhaltigen Kleidungskonsum. Unabhängig von mir hatte Greta das gleiche Thema ins Auge gefasst. Von dem Moment an war klar, wir würden zusammen ein Projekt machen.

Dann folgte die Ideenfindungsphase. Natürlich ist es schon mal hilfreich, wenn man ein Thema  hat, aber wir wussten noch nicht was genau. Irgendwann hatten wir die Idee, eine App zu machen, mit der man Läden mit nachhaltiger Kleidung finden kann. Uns selber würde so eine App gut gefallen, wahrscheinlich kamen wir so auf die Idee. Wir hatten uns das toll ausgemalt, doch bevor es losgehen sollte, stießen wir auf die Hürde, dass dieses Unterfangen doch eine weitaus größere Komplexität hatte als erwartet. Keine von uns hatte sich je mit Programmieren auseinandergesetzt, geschweige denn Interesse das zu tun.

So verwarfen wir diese Idee und standen wieder am Anfang. Zufällig waren wir kurz danach bei einer Kleidertauschparty und unsere entgültige Projektidee war geboren. Wir waren begeistert, wie Kleidung auf Vertrauensbasis getauscht wird. Jede*r gibt was er/sie hat und nimmt was er/sie braucht. Zusammen mit Alina, einer weiteren FÖJlerin aus unserer Seminargruppe, begannen wir im Oktober mit der wirklichen Projektarbeit.

Aber „nur“ eine Kleidertauschparty zu veranstalten, wäre uns zu einfach gewesen. Wir wollten mehr. Bei unseren Besuchen auf Kleidertauschpartys hatten wir festgestellt, dass am Ende viel Kleidung übrig bleibt. Dieser riesige Haufen am Ende war ein Sinnbild für das Leben unserer Überflussgesellschaft. Unsere Anfangsidee war nachhaltiger Kleiderkonsum gewesen und darüber wollten wir informieren. Bei einem Projekttreffen wurde uns klar, dass wir das Event der Kleidertauschparty mit Informationen und Alternativen verknüpfen konnten. Und so entstand auch der Name „Kleidertausch+ Du nimmst mehr mit als nur Kleidung“.  Im Folgenden erstellten wir Infomaterialien über Fast Fashion, Textilsiegel, Kleiderentsorgung und Missstände in der Kleidungsindustrie.

Unser Herzstück war  eine Weltkarte, auf der die Besucher*innen interaktiv mit Nadeln kennzeichnen konnten, woher ihre Kleidung kommt. Auf der Rückseite des Aufstellers hatten wir mit eindrucksvollen Bildern Fakten über Arbeitsbedingungen, Umweltbelastung, Globalisierung und Aussichten zusammengestellt.

Unserer Meinung hilft es aber nicht, nur mit dem Finger auf Leute zu zeigen und anzukreiden, wie schlecht ihr Konsumverhalten ist. Viel wichtiger ist es,  Alternativen zu präsentieren, und so ein Umdenken und Verhaltenswechsel zu erleichtern. Wir fragten daher studentische Initiativen an, die sich mit dem Thema auseinandersetzen und das soziale Kaufhaus in Lüneburg. So bekamen wir einige Infostände zusammen. Wir boten zusätzlich noch eine Siebdruckstation an, das nahm an dem Abend auch die meiste Zeit in Anspruch, denn der Ansturm war groß.

Im Verlauf unseres Projektes haben wir Seminare zu Projektarbeit besucht. Durch neu gelernte Methoden konnten wir zielorientiert und strukturiert am Projekt arbeiten, dabei kam auch der Spaß nicht zu kurz.

Ich hatte das Glück mit Freundinnen zusammen eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen. Wir hatten eine ähnliche Vorstellung von unserem Ziel. Alle übernahmen Aufgaben, die uns immer einen Schritt näher dahin brachten. Je näher der Termin unserer Veranstaltung rückte, um so mehr schloss sich der Kreis der Aufgaben und unsere Vision nahm immer mehr an Gestalt an.

Wir wussten nicht mit wie vielen Leuten wir rechnen könnten und wie gut unsere Werbung gewirkt hatte. Letztlich kamen auf die 4 Stunden unserer Veranstaltung um die 200 Besucher*innen.

Für uns war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Obwohl wir die ganze Zeit auf Achse waren, war es nicht anstrengend. Die positive Rückmeldung und gute Atmosphäre, sowie nette Gespräche waren für uns sehr schön.

Am Ende des Abends nach dem Aufräumen waren wir erschöpft, aber zufrieden.

(Kleidertausch(3) Bericht von Jacky, macht FÖJ bei JANUN in Lüneburg)