Seminareinblicke – Tobi Rosswog bei uns in Zeven

Um ein wenig deutlich zu machen, was man verpasst, wenn man sich gegen ein FÖJ und somit auch gegen die fünf Seminare entscheidet, die es kostenlos zum FÖJ dazu gibt, möchte ich von einem besonderen Mann erzählen, den unsere Seminargruppe I kennenlernen durfte.

Das Seminar, bei dem wir von ihm besucht wurden, fand dieses Mal in Zeven auf einem kleinen, putzigen Bio-Bauernhof statt und hatte als Hauptthema „Ernährung, Landwirtschaft und Konsum“. Es war der dritte Abend als ein junger Mann mit langen Haaren und Bart zu uns in unser Seminarhaus kam und in eines der Zimmer einzog. Wer war dieser Herr? Hatten wir ein neues Mitglied in unserer Seminargruppe?

Erst am nächsten Morgen beim Frühstücken erfuhr ich dann, dass der neue Mitbewohner mit dem Aussehen eines kiffenden Hippies der uns angekündigte Tobi Rosswog ist. Ein junger Mann, der durch sein Lebensziel bekannt geworden ist, geldfreier zu leben und es dadurch schon geschafft hat, viel Aufmerksamkeit auf das Thema Konsum zu lenken.

Nach dem Frühstück war es dann so weit und Tobi stellte sich uns allen vor. Mit unglaublich viel Motivation und positiven Vibes machte er uns mit seinem Lebensstil und seiner Bewegung „Living Utopia“ bekannt.

Tobi hatte nämlich eines Tages beschlossen geldfrei zu leben. Fast alles was er hatte verschenkte er und lebte von da an nur mit dem, was er wirklich zum Leben braucht. Mittlerweile ist leider auch er nicht drum herumgekommen, doch ein wenig Geld für Vorsorge und Handyflat zu nutzen. Doch die Aufgabe bleibt die gleiche: Die durch seinen Lebensstil verfügbare Zeit nutzt er, um eine bessere Welt zu schaffen, über Konsum aufzuklären und den Menschen nah zu bringen, wie man selbst mithelfen kann.

Wir beschäftigten uns beispielweise mit ihm zusammen damit, wie es möglich ist, im Alltag selbst den Konsum ein wenig herunterzuschrauben. Ob man Food Sharing betreibt, trampt oder mit seinen Freunden und/oder Freundinnen eine Kleider-Schenk-Party veranstaltet: Irgendwie, haben wir gelernt, ist es immer möglich, selbst ein wenig für eine bessere Welt zu tun. Man muss nur den Po hochkriegen.

Die Begegnung mit Tobi war für mich einer der Höhepunkte des Seminars. Mit so viel Energie und Motivation anderen etwas beibringen zu wollen und zu können, das ist heutzutage echt einzigartig und ich bin froh dass ich in meinem FÖJ diese Erfahrung sammeln durfte.

Dabei durften wir uns auch im Vorurteile überwinden üben, denn: Tobi lebt drogenfrei und eine Hippie ist er auch nicht.

Ein kleines FÖJler-Gedicht

Armin, Rode!

Oh du nasser Regen,
freilich ist’s kein Segen.
Hoffentlich kommt bald Sonne!
Das wär eine wirklich wahre Wonne.
Denn Sonnenstrahlen umhüllen mein Herz,
die einzige Wärme in mir, wie eine Kerz‘.

Oh du frischer Frühlingstau,
belebst die jungen Knospen.
Da kommt der Bär aus seinem Bau
und reibt sich an einem Pfosten.
Da erblickt der Bär ein Reh:
„Was ist denn das was ich da seh?“

Oh welch kräftige Tatzen!
Die Ohren steif, das Herz am Rasen,
das Reh hört plötzlich auf zu grasen.
Vor Schreck gelähmt, steht es da
und sieht sich schon dem Tode nah.
Boom ein Bagger!

Man hört einen dumpfen Prall,
alles färbt sich rot.
Blut ist überall
und der Bär ist Tot!

Der Bär ist nicht das einzige Opfer,
es folgen viele Tode.
Armin denkt: „Es sterben alle,
wenn ich noch weiter rode!“

– Seminargruppe I